Rapperswiler Tag
31. März 2023

Schlaraffenland

Landschaft zwischen Sinnlichkeit und Transformation

Essen ist eine innige Erfahrung: Bekannte Geschmäcker sind für uns ein Zuhause, ein gedeckter Tisch lädt zum geselligen Beisammensein ein. Die kulinarische Vielfalt lässt uns beim alltäglichen Essen neugierig und experimentierfreudig Unbekanntes ausprobieren: Esskultur spannt den Bogen zwischen Tradition und Exotik. Und während wir die Früchte des Bodens geniessen, denken wir schwärmend an idyllische Kulturlandschaften einer vergangenen Zeit – prägende Bilder einer heimatlichen Landschaft. Wenn wir anders essen – verändert sich auch die Landschaft?

Und wenn sich die Land(wirt)schaft ändert – essen wir dann auch anders?

Unser üppiges Schlaraffenland befindet sich im Wandel: Puddinghügel und fliegende Brathähnchen sind nicht mehr gratis zu haben. Klimawandel, Energiewende, Artensterben und Siedlungsentwicklung machen vor der Landwirtschaft nicht Halt. Sie soll nicht mehr günstiges Essen im Überfluss produzieren, sondern eine gesunde und nachhaltige Ernährung ermöglichen und dabei vielfältige Landschaften mitgestalten, Habitate schaffen und soziale Begegnungsräume bieten. Doch die Visionen für eine attraktive Ernährungslandschaft fehlen − eingesperrt zwischen dem konservativen Erhalten des Gestrigen, verzettelten innovativen Kleinprojekten und der technokratischen Vorstellung einer aus der Landschaft weggezauberten Nahrungsproduktion (Stichwort: Indoor-Farming!).

Wir fragen am diesjährigen Rapperswiler Tag nach unseren Ideen und unserem Willen, die Landschaft der Landwirtschaft zu gestalten − als Chance für eine ökologische Transformation und mehr sinnliche Ästhetik.

Ein verwaldetes Mittelland dank Agroforst? Terrassenlandschaften mit Spezialkulturen aus den Anden statt Milchwirtschaft in den Voralpen? Fruchtfolgeflächen, integriert in Parkanlagen? Funktionierende multikulturelle Siedlungsräume mit Urban-Gardening-Projekten? Verschwindet in den kommenden Jahrzehnten der letzte Landwirt oder werden wir alle zu Teilzeitbäuerinnen?

Wir hören Leuten zu, die ihre Hände schmutzig machen, um ihre Ideen für eine andere Landwirtschaft umzusetzen. Wir lassen uns inspirieren − beim Planen und Entwerfen ebenso wie beim Einkaufen und Kochen.

Eine Veranstaltung von
OST Ostschweizer Fachhochschule
BSLA Bund Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen
SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein

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